Liebe Tinnitus geplagte Menschen!

Ich habe vor einiger Zeit ein Interview gegeben für das Zeit Magazin.
Es stand unter der Überschrift: „Meine Rettung“.
Und ich habe ohne zu zögern gesagt: Es war der Tinnitus!
Er hat mich erweckt mit seinem Alarmgeschrei.
Er hat mich auf völlig neue Wege geführt.
Er hat mich näher hinschauen lassen.
Ich habe mir helfen lassen.

Und bin heute ein viel bewussterer und glücklicher Mensch, ohne mich dauernd verlocken und ablenken zu lassen, und mache genau die Dinge, die ich will.

Ich glaube, auf der einen Seite geht es darum, heraus zu finden, warum man Tinnitus bekommen hat. Ich bin dafür zu einem Tinnitus-Therapeuten gegangen. Dort habe ich erfahren, dass ich in meiner Kindheit das tiefe Gefühl vermittelt bekommen habe „nicht zu genügen“ so wie ich bin! Das hat mich ein Leben lang dazu angespornt, mich selber unter Stress zu setzen. Ich hatte außerdem als kleines Kind große Trauer über den Verlust meines Vaters weg gedrückt und seither versucht diese Emotionen unter Verschluss zu halten. Und ich wurde von meiner Mutter wirklich wahrgenommen, als ich anfing Karriere zu machen, was mich dazu veranlasst hat, viel zu viel zu arbeiten. 

Tinnitus ist meist stressbedingt! Deswegen ist Autogenes Training mein Schlüssel gewesen, mit dem ich ihn nach drei Jahren wieder komplett(!) los geworden bin, obwohl ich ein Jahr lang nicht schlafen konnte, weil er so laut war wie zwei Düsenjäger. Zwei Teenytussies sind ein Witz dagegen!

Was Sie sofort und so oft wie möglich tun sollten ist trinken. Sie brauchen dünnes Blut. Rauchen ist ebenfalls Gift, weil es Arterien verengt und zu Durchblutungsstörungen führt.

Wie ich mit „Autogenem Training“ meinen Tinnitus los geworden bin.

Hierzu ganz kurz: Autogenes Training ist nichts esotherisch-müslimäßig Spirituelles. Man muss auch nicht „dran glauben“, damit es funktioniert. Unzählige Top Manager und Spitzensportler schwören darauf, und ich auch! Es dauert ca 2 Wochen bis man richtig was merkt, aber das lohnt sich unendlich! Bis zum heutigen Tage ist es mein wichtigster Begleiter und der Königsweg mich innerhalb von kürzester Zeit, also in 5 Minuten, tiefgehend zu erholen!

Man sollte vielleicht erst mal Folgendes wissen: Es gibt ganz feine Muskeln, um jedes einzelne unserer Blutgefäße, die sind zuständig für die Stabilität des Blutkreislaufes in unserem Körper. Geraten wir in Gefahr, ziehen sich diese feinen, kleinen Ringmuskeln zusammen, um uns z. B. eine schnelle Flucht zu erlauben. Da wir aber heutzutage ständig in stressigen Situationen oder gar unter Daueranspannung leiden, ist es sehr hilfreich, mit dieser Übung zu trainieren, wie wir diese unserem Verstand nicht zugängliche Feinmuskulatur wieder entspannen können. 

Die Blutgefäße in unserem Innenohr sind extrem dünn. Werden sie durch Stress chronisch unterversorgt, kann es zu diesem Phänomen kommen, das wir „Tinnitus“ nennen. Es ist quasi ein akustischer Phantomschmerz, den wir als Warnsignal unseres Körpers verstehen sollten. Es heißt nichts anderes als: „Hallo, pass mehr auf DICH auf, gönn dir mehr Ruhephasen."

Ich habe mir am Anfang Kassetten selbst besprochen, (heute hat man dafür eine App in seinem Smartphone. Ein bisschen ganz ruhige Meditationsmucke kann hilfreich sein im Hintergrund. Nach einiger Zeit geht es am besten, sich die Formeln imaginär vorzusagen. Sie sollten bitte nicht im klassischen „Kutschersitz“ sitzen, weil es so viel schwerer ist den Nacken zu entspannen und die Ohren aufzuwärmen. Außerdem sollten Sie sich auf den Oberkörper (also Arme, Nacken, Gesicht und Ohren) beschränken, weil Sie ja das Blut nicht in ihren Füßen wollen, sondern im Innenohr. 

Sie sollten es mindestens zwei Mal täglich für mindestens 15 Minuten, mindestens zwei Wochen lang probieren! Je mehr, je öfter! Ich habe während meiner schlimmen Zeit quasi die ganze Nacht „autogenisiert“, weil ich nicht schlafen konnte und Tiefenentspannung war somit die einzige Möglichkeit mich zu erholen!  

Hier ist die genaue Beschreibung der Übung!

Hängen Sie ein "Bitte nicht stören"-Schild an Ihre Türe! Dann legen Sie sich hin und bereiten sich mehrere Kissen so unter den Nacken und um die Ohren, dass Ihr Kopf nicht seitlich wegrollen kann und Ihre Ohren warm von Kissen eingeschlossen sind. Ich lege mir auch ein Tuch über die Augen, damit ich die Außenwelt wirklich wegblenden kann und mache die weichen leuchtfarbenen Schaumgummi Ohrstöpsel rein, die es in jeder Drogerie gibt (die würde ich Ihnen auch ans Herz legen, wenn sie im Flieger sitzen, bei längeren Autofahrten als Beifahrer und bei jedem Disco- oder Konzertbesuch). Lärm ist Stress für die Ohren!

So, jetzt auch ein großes Kissen unter die Knie, das hilft der Wirbelsäule sich zu entspannen. Wichtig ist so lange zu fummeln, bis man wirklich gemütlich liegt, weil man sich hinterher nicht mehr bewegen sollte! Die Tiefenentspannung kann nur eintreten, wenn Sie wirklich absolut regungslos daliegen und sich von nichts und niemandem stören lassen. 

Als erstes gehen Sie im Geist durch Ihren Körper und schauen, ob es noch angespannte Partien gibt, besonders die Unterkiefermuskulatur sollte man ganz bewusst los lassen, dabei öffnet sich der Mund und man kommt sich am Anfang vielleicht ein bisschen blöd vor, egal. Sieht ja keiner! Ich helfe mir mit dem Ausatmen und stelle mir vor, dass alles mit der Luft, die entweicht immer schwerer absinkt. Ein gestresster, überarbeiteter Körper und Geist kann sich nur auf eine Art regenerieren: Durch stilles Liegen im Dunkeln. Das heißt: Selbst wenn sie erst mal noch gar nichts merken, tut Ihnen diese Übung sehr gut.

Die Formel: Sagen Sie sich die folgenden Sätze innerlich, also lautlos oder hören Sie von einer Aufnahme: 

  • 5 mal: „Mein ganzer Körper ist entspannt, gaanz entspannt.
  • 5 mal: „Mein rechter Arm ist schwer, gaanz schwer“
  • 5 mal: „Mein rechter Arm ist warm, gaanz warm"

Das sind die „Formeln“, auf die Sie sich trainieren, und die immer gleich bleiben sollten, weil der gesamte Vorgang auf Selbstsuggestion beruht. Ich lenke meine Aufmerksamkeit also erst mal durch meinen Körper, und schau, ob ich auch wirklich entspannt bin. Dann schau ich innerlich auf meinen rechten Arm und fühle mal ganz bewusst, wie schwer der eigentlich ist. Dann, wie warm der doch schon ist. Dann sage ich mir 5 mal: 

  • „Meine rechte Hand ist warm, ganz warm“ und gehe auch jeden einzelnen Finger der Reihe nach durch. Also jeweils „Mein kleiner Finger ist warm, gaanz warm", mein Ringfinger etc.

Bei den Fingern fällt es mir am leichtesten, dass ich die Wärme tatsächlich spüre, die dadurch eintritt, dass sich die Blutgefäße entspannen und weiten. 

Mein persönlicher Trick dabei ist, dass ich nicht nur meine Atmung zu Hilfe nehme, sondern auch Bilder visualisiere. Ich stelle mir vor, dass ich beim Ausatmen quasi das Blut in den kleinen Finger sanft rein blase, und beim Einatmen stelle ich mir vor, dass die Luft von unten an meiner Hand saugt, so dass sie sich richtig schwer anfühlt. 

Wenn Sie rechts durch sind, den gleichen Vorgang mit dem linken Arm wiederholen. Langsam lockert sich die feine Muskulatur um die Kapillargefäße, man merkt, dass das Blut einströmen kann, und man ganz warme Hände bekommt, wenn man in Übung ist, geht das recht schnell. Am Anfang lässt alles ein bisschen auf sich warten. Egal! Einfach mit dem Training weiter machen, sooft und solang man nur kann.

Wenn man die Arme, Hände und Finger auf beiden Seiten genügend bearbeitet hat, geht der gleiche Vorgang weiter mit jeweils 5x:  

  • „Meine Schulterpartie ist weich und warm durchblutet.“ Und dabei die Schultern bewusst fühlen und alle kleinen Muskelpartien, die eventuell noch gehalten werden, los lassen. Bei jedem Ausatmen noch mehr und mehr alles loslassen und in die Kissen sinken. 
  • „Meine Nackenmuskulatur ist weich und warm durchblutet.“ Ich weite mich in meiner Vorstellung, beim Einatmen wie eine Kragenechse, und „pumpe“ dann sanft beim Ausatmen das Blut in meinen imaginären Kragen. Die verspannte Nackenmuskulatur ist ein wichtiger Beitrag zum Tinnitus, den es mit besonders viel Liebe zu entspannen und durchbluten gilt.
  • „Mein Unterkiefer ist gaanz entspannt.“ „Meine Gesichtsmuskulatur ist gaanz entspannt.“ Je mehr Sie Ihre Gesichtsmuskeln bei jedem Ausatmen fallen lassen, umso mehr nähern Sie sich einer echten Tiefenentspannung. Und schließlich gehen Sie mit aller inneren Aufmerksamkeit ins Ohr.

Und wieder 5x: 

  • „Mein Innenohr ist weich und warm durchblutet“. Wenn Sie ein paar Wochen regelmäßig geübt haben, werden Sie irgendwann Ihr Herz ganz laut pochen hören. An diesem Punkt gaanz entspannt weiter machen und das Blut ganz sachte beim Ausatmen  in die feinen Äderchen fließen lassen, und die Wände der Adern imaginär beim Einatmen aufblähen. 

Wenn Sie während dieser Übung eingeschlafen sind, ist das auch gut! Ihr Körper erholt sich bei einem solchen „Tiefen-Entspannungs-Nickerchen“ auf´s Vorzüglichste. Aber Sie sollten nach dem Aufwachen mit der Übung weiter machen, denn nur wenn der Körper darauf trainiert wird, klappt das alles so, wie ich es beschrieben habe. Es ist eine Art sich zu erholen, von der Sie den Rest ihres Lebens profitieren können.

Sehr wichtig! Erst wenn sie die Übung vollständig beenden, zum ersten Mal die völlig entspannte Muskulatur durch kräftiges Dehnen wieder energetisieren, sich wie eine Katze nach jedem Nickerchen kräftig räkeln, atmen und strecken.

Ein paar grundlegende Dinge zur Heilungsförderung

Sie sollten alle Formen von Sport- und Freizeitstress für´s erste aus Ihrem Leben eliminieren. Joggen gehen oder in die Sauna ist keine Entspannung(!), sondern bedeutet für den Körper einen großen Stress. Das ist nur was für gesunde Leute. 

Wenn Sie einen Tinnitus haben, heißt das, dass Sie Ihr ganzes Leben einmal hinterfragen sollten und alles, was irgendwie geht an Belastung, Unruhe oder Stress entfernen sollten. 

Ich empfehle keine „Actionmovies“ oder abends vor die Glotze zu sitzen und Hiobsbotschaften anzuhören. Ich plädiere dafür, statt dessen ein „Dankbarkeitsbuch“ zu führen, in das man alle die Dinge schreibt, für die man glücklich sein kann. Das trainiert den Fokus!

Ich kann heute nur noch mal ganz klar sagen: Der Tinnitus war das Beste und Wichtigste, was mir passieren konnte, denn ich bin in vielerlei Hinsicht erwacht durch diesen „Weckruf“ und habe mein Leben zum Guten hin vollständig anhaltend verändert und umgekrempelt. Ich nehme mir Auszeiten! Fahre auch privaten Stress runter, das heißt ich fahre nicht Achterbahn, schaue keine Horror-Movies und mache keinen Abenteuerurlaub, sondern ich suche bewusst die Stille und schreibe viel. Es ist eine Reise und eine Suche, auf die ich geschickt worden bin, und die schönsten und wichtigsten Dinge in meinem Leben hätte ich wahrscheinlich übersehen, wenn ich nicht gezwungen worden wäre, meine Sinne, Augen und Ohren zu öffnen, für den nächsten Schritt zu einem bewussteren Leben.

Nachwort

Das autogene Training ist eine auf Autosuggestion basierende Entspannungstechnik. Es wurde vom Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz aus der Hypnose entwickelt, am 30. April 1927 erstmals vorgestellt und 1932 in seinem Buch Das autogene Training publiziert. Heute ist das autogene Training eine weit verbreitete und anerkannte Methode, um Stress und psychosomatische Störungen zu behandeln. Der Begriff autogen lässt sich aus den griechischen Worten autos für "selbst" und genos für "erzeugen" ableiten.

Ein riesiges Danke an Klaus Haak von der „Bremer Gesundheitswerkstatt“, den ich Gott sei Dank traf, während den Dreharbeiten zu meiner 13-teiligen „Sissi die Perlingershow“ für die ARD. Er nahm sich meiner an und brachte mir „Autogenes Training“ bei. 

Ihnen viel Glück bei der Heilung und alles alles Gute
Ihre Sissi, die Perlingerin

 

Dieser Text ist zu finden im Buch ”Auszeit! Der Perlinger-Weg ins Glück"